Der-Natur-Donnerstag 5/2021

— Wer an einem kalten, schneelosen Tag im Winter einen Spaziergang in einem Buchen- oder Laubmischwald unternimmt, trifft manchmal auf bizarre Gebilde an Totholz. Ab und an hängen an einzelnen Ästen im Wald schneeweiße, dichte, wellig gebogene, haarfeine Fäden, die insgesamt wie wattebauschartige Büschel (ähnlich wie Zuckerwatte) aussehen. Sie wachsen quer zur Achse des Astes an rindenfreien Stellen. – Der erste Eindruck lässt vermuten, dass es vielleicht ein Pilz ist. Es gibt tatsächlich einen Pilz, der ähnlich aussieht. — Dieser Pilz kommt in Mitteleuropa selten vor. Eine Verwechslung ist jedoch nur aus weiterer Entfernung möglich. Dennoch ist die „Zuckerwatte“ kein Pilz, denn es handelt sich dabei um eine besondere Form des Eises, das sogenannte Haareis. Bei diesem Naturphänomen bilden sich an abgestorbenen Ästen von Laubholz Haare aus Eis, die 30 – 100 mm lang und zum Teil nur 0,02 mm dick sind.

  • Die Besonderheit dieser Eisform ist, dass sie nicht wie ein Eiszapfen an den Enden, sondern von ihrer Basis her wächst. Die Eishaare bilden sich mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit von 5 bis 10 Millimetern pro Stunde, solange genügend Wasser aus dem Holz nachgeliefert wird.
  • Bereits im Jahre 1833 veröffentlichte Sir John Herschel eine bebilderte Abhandlung in der Zeitschrift „The London and Edinburgh Philosophical Magazine and Journal of Science“. Darin beschrieb er Eisgebilde als „band- oder hemdkrausenartige wellenförmige Masse, die scheinbar aus Längsrissen des Stiels im weichen Zustande hervorgequollen war. Die Bänder hatten eine glänzende seidenartige Oberfläche und ein faseriges Gefüge.“
  • Im Jahre 1918 beschäftigte sich der Meteorologe und berühmte Polarforscher Alfred Wegener (Vater der Kontinentalverschiebungstheorie) mit dem Haareis auf nassem Totholz. Er vermutete damals als Auslöser einen „schimmelartigen Pilz“.
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“DND“ in diesen Jahr 2021 –(Geöffnet vonMittwoch 18 Uhr bis Freitag 23 Uhr) –  Jutta