Projekt ABC – S-wie S

Projekt ABC: S – wie S
♦ Buchstabe S wie Schiefer/Slate/Schiffer

– Wie der Schiefer das Land und die Leute in Wales prägte.
♦ Die Schiefer-industrie in Wales geht auf die Zeit der Besetzung Britanniens durch das Römische Reich zurück. Dach-schindeln aus Schiefer wurden bereits beim Bau eines römischen Lagers in der Nähe des heutigen Caernarfon verwendet. Bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts hatte dieser Industriezweig nur geringe Bedeutung für die walisische Wirtschaft. In der Zeit der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts jedoch wurden Abbau und Verarbeitung von Schiefer neben dem Steinkohlenbergbau zum wichtigsten Industriezweig in Wales. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts lagen die wichtigsten Abbauregionen im nordwestlichen Wales. Der Penrhyn– und der Dinorwic-Steinbruch in der Nähe von Llanberis waren zu diesem Zeitpunkt die beiden größten Schiefersteinbrüche der Welt. Die Oakeley-Mine von Blaenau Ffestiniog, in der der Schiefer unterirdisch abgebaut wurde, war weltweit die größte Schiefermine. Schiefer wurde und wird überwiegend zum Decken von Dächern, außerdem als Fußbodenbelag sowie für Arbeitsplatten und Grabsteine genutzt. => weiterlesen
♦ Die Arbeiter damals von Anglesey, die in der Dinorwig Quarry arbeiteten, waren unter der Woche in den Anglesey-Baracken unter-gebracht. Die Arbeitswoche begann für sie normalerweise am Montagmorgen um drei Uhr, als sie aufbrachen, um die Fähre zu den Steinbrüchen zu erreichen. Nach Anglesey kehrten sie erst wieder am Samstagnachmittag zurück.

♦ Der Cilgwyn-Steinbruch im Nantlle-Tal geht auf das 12. Jahrhundert zurück und gilt als der älteste in Wales. Erste Belege für Schieferabbau in der Nähe des späteren Penrhyn-Steinbruchs liegen für das Jahr 1413 vor.

♦ Übersicht:
Nachdem die britische Regierung 1831 den Zoll auf Schiefer aufhob und der Bau von Schmalspurbahnen den Transport des Schiefers zu den Häfen erleichterte, setzte eine rapide Expansion dieser Industrie ein. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Steinbrüche üblicherweise durch die Landbesitzer direkt betrieben.

♦ Der Schieferabbau dominierte die Wirtschaft des nordwestlichen Wales insbesondere in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Im übrigen Wales hatte dieser Industriezweig eine weit geringere Bedeutung. Im Jahre 1898 waren etwa 17.000 Arbeiter mit dem Abbau von Schiefer beschäftigt. Die Produktionsmengen lagen zu diesem Zeitpunkt bei jährlich 500.000 Tonnen Schiefer. Die Weltwirtschaftskrise in den späten 1920er und 1930er Jahren sowie der Zweite Weltkrieg führten zur Schließung der meisten kleineren Steinbrüche. Nachdem andere Materialien wie etwa Tonziegel Schieferschindeln als Baumaterial beim Dachdecken zunehmend ablösten, folgte in den 1960er und 1970er Jahren auch die Schließung der meisten großen Schiefersteinbrüche. Schieferschindeln werden heute nur noch in einem geringen Umfang hergestellt.

Blaenau Ffestiniog:
♦ Da die Steuer auf Tonziegel erst 1833 widerrufen wurde, führte dies zu einer starken Expansion der Schieferindustrie. Die Ffestiniog Railway wurde zwischen 1833 und 1836 erbaut, um Schiefer von Blaenau Ffestiniog zur Küstenstadt Porthmadog zu transportieren und ihn dort in Schiffe umzuladen.
♠ Die Oakeley-Mine von Blaenau Ffestiniog, in der der Schiefer unterirdisch abgebaut wurde, war weltweit die größte Schiefermine. Blaenau Ffestiniog ist eine Kleinstadt im Norden von Wales, die bekannt ist für ihre Schmalspurbahn und ihre Schieferbrüche. Die Strecke dieser Bahn ist von Blaenau Ffestiniog – Porthmadog.

Dieses Transportsystem trug erheblich zur Expansion der Steinbrüche bei Blaenau Ffestiniog bei, da die Schindeln zuvor zunächst nach Maentwrog transportiert werden mussten, dann in Boote umgeladen wurden, die die Schindeln den Fluss Dwyryd hinab transportierten, bis sie an der Flussmündung in größere Schiffe umgeladen werden konnten. 1846 fand man entlang der Straße nach Betws-y-Coed eine weitere Schieferlagerstätte. Hier wurde der Llechwedd-Steinbruch gegründet.
– Der Großbrand (großer Stadtbrand), der Hamburg im Jahre 1842 zu großen Teilen vernichtete, ließ die Nachfrage nach Schiefer stark ansteigen. Deutschland entwickelte sich zu einem der wichtigsten Absatzmärkte der walisischen Steinbrüche, für den Wiederaufbau Hamburgs wurde vor allem Schiefer aus dieser Region verwendet. Mit Schiefer aus dem Steinbruch in Oakeley wurden auch der Kölner Dom gedeckt.


♦ Buchstabe S wie Snowdonia
(die Map hab ich 1983 in Wales gekauft- soviel  tolle interessante Erinnerungen,hach ja…)

(Fotos klicken, grösser sehen)


♦ Walisische Schieferregion zum Weltkulturerbe nominiert
Ein Gebiet im Nordwesten von Wales, das „die Welt des 19. Jahrhunderts überdacht“ hat, wird von M. Ellis, dem Minister für Kulturerbe, als Weltkulturerbe vorgeschlagen. Schiefer aus der Gegend, die in ganz Gwynedd vorkommt, wurde rund um den Globus exportiert.


Wiederbelebtes Projekt von Wortman

39 Kommentare zu „Projekt ABC – S-wie S

  1. Wieder mal ein richtig spannender und interessanter Artikel und tolle Fotos von dir, liebe Elke!
    Im Lake District haben wir auch ziemlich viel Schiefer gesehen, aber ich glaube, da gibt es keine so ausgedehnte Industrie damit wie in Wales. Aber verwendet wird er auch sehr viel – um ein Haar hätten wir uns ein Namensschild für die Haustür oder dergleichen, wie sie dort allgegenwärtig sind, als Souvenir mitgebracht. Aber dann waren wir doch vernünftig, weil wir kein Haus, geschweige denn ein hübsches englisches Cottage haben, sondern nur eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus, und da hätte das nicht gepasst.

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    1. @Timberwere

      Danke dir liebe Esther, ich freu mich sehr das es dich interessiert..
      Das Lake District ist ja eine toll Natur..Imponierend..
      OK Snowdonia und der Llanberis Pass sind auch imponierend..
      Ich glaube Wales ist was Schiefer betrifft, damals die grössten..

      Ja es verlockt, bissel Schiefer zu kaufen..und mit nach Hause nehmen 🙂
      Du hast schon Recht, es passt nicht so.
      Liebe Grüsse
      Elke

      (bin eben erst rein)

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  2. Liebe Elke,
    vielen Dank für diese vielen tollen Informationen (ich finde nicht das es zuviel geschrieben ist) mit den Fotos. Was für ein hartes Leben, das kann man sich heute überhaupt nicht mehr vorstellen,
    liebe Grüße
    Kirsi

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    1. @Kirsi

      Danke liebe Kirsi. Beim Schreiben wurde es immer mehr 🙂
      Ich freu mich sehr das es dich interessiert hat..
      Ja, damals war das Leben hart, versuchen sich da reinzusehen ist wirklich unmöglich..
      Liebe Grüsse
      Elke

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    1. @monisertel

      Liebe Moni..
      Nicht wahr, das finde ich auch…Gerne…
      Danke ♥
      Aber ich hab zuviel drüber geschrieben..
      Naja..es ist auch für mich selbst..Erinnerungen an Wales wurden wach..*schmunzel*

      Danke dir auch noch einen guten Wochenstart..
      und liebe Grüsse
      Elke

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    1. @Nati

      Gell schön ist es liebe Nati, besonders wenn es nicht zu stark bearbeitet ist.
      Ich mag es auch sehr…auf Dächern, Fussboden und Grabsteinen…
      Als Hausverkleidung finde ich es nur interessant an Historischen Häusern in Wales…
      Liebe Grüsse
      Elke

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  3. Schiefer mag ich, man kann ihn auch gut als Dekomaterial verwenden.
    Danke für all das Wissenswerte was du übe ihn geschrieben hast.
    Ein toller Beitrag für wortmann !
    Liebe Grüße
    Jutta

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    1. @ winterknospe alias Jutta K.

      Ich auch liebe Jutta..
      Ich hab ja kein Haus, aber ich freu mich auch wenn ich dieses Material sehe..
      Wales und Schiefer ist sehr interessant.
      Das Walesiche Schiefer wurde ja auch am Kölner Dom angewand und nach Hamburgs Grossen Brand z.B.
      Ja Wortman fand ja auch Wales interessant..
      Liebe Grüsse
      Elke

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  4. Du hast wieder viel Wissenswertes aufgeschrieben, liebe Elke, und dein S toll bebildert. Ja, Wales wäre bestimmt auch eine Reise wert, aber uns zieht es auch dieses Jahr wieder weiter nach Norden 🙂
    Herzlich, do

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      1. @Wortman

        Danke das freut mich.
        Mir gefiel es immer sehr, wenn wir dort waren..
        Wir waren auch mal ganz unten an der Spitze von Cornwall in -Land’s End-
        Wilde Natur und Atlanden 🙂

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    1. @Diamantin

      Ja ich hab auch den Eindruck liebe Anett.
      Persönlich kenne ich es nur von den paar Platten mit Bild drauf
      die ich mir in Wales in einer stillgelegten Mine (und Museum) gekauft habe..
      Liebe Grüsse
      Elke

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